Wie viel Vergesslichkeit ist normal?

Wir alle kennen diese Situationen, in denen es scheint, als lasse uns das Gedächtnis im Stich: „Wo habe ich denn bloß den Schlüssel hingelegt? Wie war nochmal der Name der neuen Nachbarin? Und was wollte ich unbedingt noch für das Abendessen heute besorgen?“

Es ist normal hin und wieder etwas zu vergessen. Die geistige Leistungsfähigkeit ist Schwankungen unterworfen. Stehen wir beispielsweise unter Stress oder haben wir schlecht geschlafen, so kann dies unmittelbare Auswirkungen auf unser Gedächtnis haben. Doch wie viel Vergesslichkeit ist normal? Und ab wann müssen wir uns Sorgen machen? 

Angst vor Demenz

Die Alzheimer-Demenz liegt auf Platz zwei der gefürchtetsten Krankheiten, direkt nach Krebs. Und auch in den Medien ist die Alzheimer-Erkrankung ständig präsent. Kein Wunder, dass viele Menschen schon bei den kleinsten Anzeichen von Vergesslichkeit befürchten, an einer Demenzerkrankung zu leiden. Dabei ist Vergesslichkeit ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Gedächtnisses. Nur wenn wir unwichtige Dinge vergessen, hat unser Gehirn genug Platz für Informationen, die wir uns merken wollen.

Ursachen für Vergesslichkeit

Es muss nicht immer direkt eine Alzheimer-Erkrankung sein. Es gibt auch zahlreiche andere Ursachen für das Vergessen:

Stress

Das Stress nicht gut für Körper und Seele ist, ist wohl jedem bekannt. Doch auch unser Gedächtnis leidet darunter – Nervenzellen können geschädigt und das Nervenzellwachstum gestört werden. Stehen wir unter Stress, so schüttet unser Gehirn Stresshormone – vor allem Cortisol – aus. Während niedrige Cortisol-Dosen sich positiv auf unsere Leistungsfähigkeit auswirken (positiver Stress), sind höhere Dosen schädlich für unser Gehirn und unser Gedächtnis. Andauernder Stress führt somit zu Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit.

Zu wenig Schlaf

Schlaf ist wichtig, um neue Informationen dauerhaft im Gedächtnis abzuspeichern. Leiden wir unter Schlafmangel, so führt dies häufig zu Vergesslichkeit und Konzentrationsproblemen

Seh- und Hörprobleme

Das Gehirn braucht ständig neue Sinneseindrücke, damit die Nervenzellen und –verbindungen auch weiterhin erhalten werden können. Fehlen dem Gehirn diese Reize, so beginnt es, Nervenzellen abzubauen. Was passiert nun, wenn die Augen beispielsweise durch einen grauen Star geblendet werden oder das Gehör altersbedingt verschlechtert ist? Richtig, die Nervenzellen bekommen nicht genügend Reize und werden abgebaut.

Studien zeigen, dass schwächere Sinnesorgane mit einer Abnahme der Leistungsfähigkeit einhergehen und Personen, die beispielsweise schlechter hören, auch vergesslicher sind als normale Menschen. Daher ist es wichtig, sich rechtzeitig um passende Sehhilfen und Hörgeräte zu kümmern – damit es erst gar nicht zu einem Abbau der Nervenzellen und damit der Gedächtnisleistung kommt.

Zu wenig getrunken

„Man schätzt, dass etwa jeder zehnte, bei dem die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wird, seinem Körper nur zu wenig Flüssigkeit zuführt“ (Ernst Pöppel, Psychologe)

Flüssigkeitsmangel kann zu demenzähnlichen Symptomen, wie Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen, führen.

Im Laufe des Alters nimmt das Durstempfinden ab, was häufig zu Folge hat, dass ältere Menschen nicht merken, dass ihnen Flüssigkeit fehlt. Dies kann zu einem Teufelskreis führen: durch den Flüssigkeitsmangel wird die Person vergesslich und vergisst zu trinken, was die Austrocknung verschlimmert.

Medikamente

Viele Medikamente haben Auswirkungen auf unser Gehirn und unsere Leistungsfähigkeit. Gerade Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Medikamenten können unser Gedächtnis negativ beeinflussen.

  • Fast alle Schlafmittel verursachen Gedächtnisstörungen
  • Antihistaminika zur Behandlung von Allergien können eine dämpfende Wirkung haben
  • Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente und Antipsychotika können ebenfalls die Gedächtnisleistung beeinflussen

Alkohol

Jeder, der schon einmal ein Glas zu viel getrunken hat, weiß welche Auswirkungen Alkohol auf unser Gehirn haben kann. Übermäßiger Alkoholkonsum hinterlässt im Gehirn dauerhafte Schäden, die sich in Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen bemerkbar machen.

 

Wann handelt es sich um Demenz?

Ob es sich bei Anzeichen von Vergesslichkeit um eine Demenz-Erkrankung handelt, kann letztendlich nur ein Arzt abklären. Generell gilt jedoch, dass Gedächtnisstörungen im Rahmen der Alzheimer-Demenz über die normale Vergesslichkeit hinausgehen und beeinträchtigen den Alltag des Betroffenen in erheblichem Maße. Zudem kommen bei einer Demenzerkrankung zur Vergesslichkeit auch Orientierungsstörungen hinzu.

Checkliste

Im folgenden finden Sie eine Checkliste mit möglichen Warnsignalen.

Sollten mehrere Warnsignale bei Ihnen zutreffen, wäre es ratsam einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Beachten Sie jedoch, dass es sich bei der Checkliste nicht um ein Diagnose-Instrument handelt, sondern lediglich der Selbsteinschätzung dient.

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