Verhinderungspflege – kurz erklärt

Nutzen Sie die Verhinderungspflege zu Ihrer Entlastung!

Gehören Sie auch zu den Menschen, die ihren pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause pflegen?

Was aber ist, wenn Sie selbst einmal erkranken, in den Urlaub fahren, wichtige Termine haben oder einfach mal eine Auszeit brauchen?

Damit die pflegebedürftige Person auch während ihrer Abwesenheit optimal gepflegt und betreut wird, kann die sogenannte „Verhinderungspflege“ in Anspruch genommen werden.

 

Was ist Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege ist eine Leistung der Pflegekasse. Diese übernimmt bei Verhinderung der Pflegeperson die Kosten einer Ersatzpflegeperson bis zu einem Betrag von 1612 Euro und für bis zu 42 Tage pro Jahr.

Die Verhinderungspflege kann mit 50% der Kurzzeitpflege kombiniert werden, sofern für diesen Betrag im laufenden Kalenderjahr noch keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurde.

Somit kommt man auf einen Maximalbetrag von 2418 Euro pro Jahr, der für die Verhinderungspflege aufgebracht werden kann.

Außerdem kann die Verhinderungspflege auch stundenweise in Anspruch genommen werden (d.h. weniger als 8 Stunden pro Tag). Dann entfällt die Beschränkung auf 42 Tage.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

  • Es muss eine Pflegestufe vorliegen
  • Die pflegebedürftige Person muss durch eine private Pflegeperson (Angehörige, Freunde) mindestens 6 Monate zuvor betreut worden sein. Der Beginn der Pflegezeit wird meist mit dem Zeitpunkt der Genehmigung der Pflegestufe gleichgesetzt.
  • Wird der Pflegebedürftige ausschließlich durch einen Pflegedienst betreut und nicht durch die Angehörigen, kann keine Verhinderungspflege beantragt werden.
  • Die Ersatzpflegekraft darf nicht bis zum 2. Grad verwandt oder verschwägert und nicht in häuslicher Gemeinschaft mit der pflegebedürftigen Person wohnen. Sonst beschränkt sich die Kostenerstattung lediglich auf das 1,5 fache des Pflegegeldes

 

Wer darf als Ersatzpflegeperson eingesetzt werden?

Sie können für die Zeit Ihrer Verhinderung entweder einen ambulanten Pflegedienst mit der Pflege und Betreuung beauftragen oder aber auch Privatpersonen, wie Nachbarn oder Freunde, angeben. Es muss sich nicht zwingend um eine professionelle Pflegekraft handeln.

Die Privatperson sollte nicht mit dem Pflegebedürftigen bis zum 2. Grad verwandt oder verschwägert sein.

Zu Verwandten 2. Grades zählen:

  • Eltern und Großeltern
  • Kinder und Enkel
  • Bruder und Schwester
  • Die Ehegatten

 

Beispiele für Dienstleister oder Personen, die die Verhinderungspflege erbringen dürfen:

  • Ambulante Pflegedienste
  • Tagespflegeeinrichtungen
  • Professionelle Dienstleister
  • Alltags- und Haushaltshilfen
  • Alltagsbetreuer und Alltagsbegleiter
  • Ehrenamtliche
  • Freunde, Bekannte, Nachbarn
  • Cousine und Neffe
  • Tante und Onkel

 

Lassen Sie uns die verschiedenen Möglichkeiten einmal anhand von Beispielen genauer ansehen:

Beispiel 1:
Herr Schmitz wird von seiner Tochter gepflegt. Diese möchte in Urlaub fahren. Herr Schmitz wird während dieser Zeit vom Sohn betreut und gepflegt. Hier trifft die Regelung der Verwandtschaft bis zum 2. Grad zu und es wird lediglich das 1,5 fache des Pflegegeldes bezahlt. Zusätzlich kann sich der Sohn jedoch Fahrtkosten und Verdienstausfälle bis zum Höchstbetrag erstatten lassen.

 

Beispiel 2:
Herr Schmitz lässt sich anstatt vom Sohn von einer Nachbarin pflegen. Für die erbrachte Pflege- bzw. Betreuungszeit erhält diese den zuvor vereinbarten Stundensatz. Die Tochter lässt sich die Kosten von der Nachbarin quittieren und reicht diese Quittung bei der Pflegekasse ein. Diese erstattet ihr den Betrag.

 

Beispeiel 3:
Herr Schmitz wird in dieser Zeit von einem Pflegedienst betreut. Dieser kann die entstandenen Kosten direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

 

Kann die Verhinderungspflegezeit aufgeteilt werden?

Die Ihnen zustehenden 42 Tage Verhinderungspflege können sowohl komplett am Stück als auch in Teilabschnitten von Wochen, Tagen oder auch nur Stunden in Anspruch genommen werden.

 

Tipp:  Wenn Sie für einen längeren Zeitraum tageweise Verhinderungspflege benötigen, sollten Sie nicht den gesamten Zeitraum Ihrer Abwesenheit angeben und dann die einzelnen Tage aufschreiben, an denen Sie Unterstützung benötigen, sondern nur die einzelnen Tage benennen, an denen Sie tatsächlich Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Sonst kann es Ihnen passieren, dass die Pflegekasse den gesamten Zeitraum Ihrer Abwesenheit anrechnet.

 

Ein Beispiel:
Nehmen wir an, Sie gehen vom 10.08. bis 17.08. in Urlaub und benötigen für diesen Zeitpunkt immer nur jeden 2. Tag Hilfe, dann sollten Sie in Ihrem Antrag nicht schreiben, dass Sie Verhinderungspflege vom 10.08. bis 17.08. benötigen, sondern: Verhinderungspflege wird benötigt am 10.08., 12.08., 14.08. und 16.08.

 

Wird das Pflegegeld gekürzt?

Handelt es sich um reguläre Verhinderungspflege, d.h. Sie sind länger als 8 Stunden pro Tag oder mehrere Tage (z.B. durch Urlaub) verhindert und sie setzen eine Ersatzpflegekraft für diese Zeit ein, so wird das Pflegegeld anteilmäßig für die Zeit der Verhinderung gekürzt.
Sind Sie weniger als 8 Stunden pro Tag verhindert, beispielsweise wegen einem Arzt- oder Frisörtermin, so wird das Pflegegeld nicht gekürzt und es gibt auch keine Beschränkung auf maximal 42 Tage pro Jahr.
Hier der Unterschied zwischen regulärer und stundenweiser Verhinderungspflege nochmal im Überblick:

 

Reguläre Verhinderungspflege

 Stundenweisen Verhinderungspflege

Sie sind länger als 8 Stunden pro Tag verhindertSie sind weniger als 8 Stunden pro Tag verhindert
Das Pflegegeld wird für die Zeit der Verhinderungspflege gekürztDas Pflegegeld wird für diese Zeit nicht gekürzt
Die Verhinderungspflege ist begrenzt auf 42 Tage pro JahrVerhinderungspflege unter 8 Stunden wird nicht auf die regulären Verhinderungstage angerechnet

 

 

Wie muss die Verhinderungspflege beantragt werden?

Der Antrag wird bei der zuständigen Pflegekasse gestellt. Im Normalfall stellt Ihnen die Pflegekasse ein Formular zur Verfügung. Dazu rufen Sie am besten vor Antritt der Verhinderungspflege bei Ihrer Pflegekasse an.

 

Wie erfolgt die Kostenerstattung für die Ersatzpflegekraft?

Erbringt eine Privatperson die Ersatzpflege, so müssen Sie in Vorleistung treten, d.h. Sie zahlen der Ersatzpflegekraft den zuvor vereinbarten Stundensatz und lassen sich die Kosten quittieren. Viele Pflegekassen stellen Ihnen dafür ein Formular zur Verfügung.

Diese Quittungen bzw. das Formular reichen Sie dann bei der Pflegekasse ein und Sie bekommen die Kosten erstattet.
Wird ein Pflegedienst beauftragt, so kann dieser meist direkt mit der Pflegekasse abrechnen, sofern Sie eine Abtretungserklärung unterschreiben. Hier müssen Sie also nicht in Vorleistung treten.

 

Haben Sie weitere Fragen zur Verhinderungspflege? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

 

Hier finden Sie ein kurzes Erklärvideo zum Thema Verhinderungspflege:

 

Kategorie:  Pflegeblog

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