Eine Pflegestufe beantragen – wie geht das eigentlich?

Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, Ihren Alltag ohne fremde Unterstützung zu meistern, haben die Möglichkeit, eine Pflegestufe zu beantragen und somit Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten. Viele schrecken jedoch davor zurück, solch einen Antrag zu stellen – oft weil den Meisten das Verfahren der Einstufung unklar ist oder sie einfach nicht wissen, wie die Antragstellung überhaupt funktioniert.

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Plötzlich kommt die Zeit, in der die alltäglichen Herausforderungen nicht mehr allein zu bewältigen sind. Einkaufen, putzen und kochen fallen schwer. Auch das Duschen und Anziehen ist ohne fremde Hilfe kaum möglich. Wer dies bei sich oder Angehörigen beobachtet, sollte über die Beantragung einer Pflegestufe nachdenken. Denn gilt man als pflegebedürftig, hat man Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung.

Die Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick:

Zu den Leistungen der Pflegeversicherung zählen unter anderem:

  • Unterstützung durch Pflegegeld (bis zu 700 Euro bei Pflegestufe 3)
  • Übernahme der Kosten für einen ambulanten Pflegedienst (bis zu 1550 Euro bei Pflegestufe 3)
  • Übernahme der Kosten für Tagespflege
  • Übernahme der Kosten für Verhinderungspflege (1550 Euro pro Jahr)
  • Erstattung der Kosten für Betreuungsleistungen Demenzkranker (bis zu 200 Euro pro Monat)
  • Anteilige Kostenübernahme für Pflegehilfsmittel (z.B. Pflegebett, Inkontinenzmaterial, etc.)

Die Höhe der Unterstützung hängt von der Pflegestufe ab.

Um aber überhaupt diese Leistungen in Anspruch nehmen zu können, muss zunächst ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden.

Einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen

Es reicht zunächst aus, wenn Sie bei Ihrer Pflegekasse anrufen und sagen, dass Sie gerne eine Pflegestufe beantragen möchten. Die Pflegekasse wird Ihnen daraufhin ein Antragsformular zuschicken.

Wichtig: Bei Einstufung in die Pflegeversicherung besteht Leistungsanspruch ab dem Tag, an dem der Antrag auf Einstufung in die Pflegeversicherung bei Ihrer Pflegekasse eingegangen ist – also rückwirkend!

Das Formular müssen Sie nun ausfüllen. Dabei ist es zunächst nicht notwendig, die Art der Leistung oder die Art der Pflege zu benennen. Schicken Sie das ausgefüllte Formular zurück an die Pflegekasse.

Ihre Pflegekasse leitet den Antrag daraufhin an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) weiter.

Nach einigen Wochen werden Sie vom MdK angeschrieben und es wird Ihnen ein Begutachtungstermin mitgeteilt.

Vorbereitung des Begutachtungstermins

Pflegetagebuch führen

Bitten Sie die Person, die Ihnen bisher bei der Pflege hilft, zwei Wochen lang ein Pflegetagebuch zu führen.

In das Pflegetagebuch tragen alle an der Pflege beteiligten Personen ihre Pflegetätigkeiten und den Zeitaufwand ein. So bekommt man einen Überblick über den gesamten Hilfebedarf und Zeitaufwand der täglichen Pflege. Der Gutachter sieht dann nicht nur eine Momentaufnahme der Pflege, sondern den ständigen und tatsächlichen Hilfebedarf.

Folgende Unterlagen sollten Sie für den Begutachtungstermin bereithalten:

  • Krankenhaus- / Arztberichte
  • Medikamentenplan
  • Übersicht über Hilfsmittel (Rollator, Toilettenstuhl, etc.)
  • Pflegetagebuch

Der Begutachtungstermin

Zum Begutachtungstermin kommt ein(e) Mitarbeiter(in) des MdK zu Ihnen nach Hause, um sich ein Bild davon zu machen, in welchem Umfang Sie Unterstützung benötigen. Viele Pflegebedürftige sind bei diesen Terminen sehr unsicher und zurückhaltend und geben ihre Pflegebedürftigkeit nicht im vollen Umfang preis, vor allem aus Scham. Bitte seien Sie ehrlich und sprechen offen über alle Einschränkungen im Alltag. Auch Einschränkungen, wie zum Beispiel unwillkürlicher Harnverlust gehören dazu. Hier sollte Ihnen nichts peinlich sein, damit Sie die Chance haben, die bestmögliche Unterstützung zu bekommen. Bitten Sie einen Angehörigen bzw. die Person, die Sie bei der Pflege unterstützt, bei diesem Termin anwesend zu sein.

Das Gutachten bildet die Grundlage für die Einstufung in eine Pflegestufe.

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Das Ergebnis

Die Pflegekasse teilt Ihnen das Ergebnis der Begutachtung und die Einstufung in eine Pflegestufe oder ggfs. Ablehnung schriftlich mit.

Was tun bei Ablehnung?

Sollte eine Einstufung in eine Pflegestufe abgelehnt werden, so haben Sie die Möglichkeit innerhalb von 4 Wochen schriftlich bei der Pflegeversicherung Widerspruch einzulegen.

Zusammenfassung

Eine Übersicht über die einzelnen Schritte der Antragstellung finden Sie in unserer Infografik „In 5 Schritten eine Pflegestufe beantragen„.

1 Kommentar zu „Eine Pflegestufe beantragen – wie geht das eigentlich?“

  1. Katja sagt:

    Ein sehr informativer Artikel. Letztendlich kommen bei einer Pflege doch sehr viele Kosten auf einen zu, die alleine nicht getragen werden können. Da ist es gut auf diese Weise auch eine finanzielle Unterstützung zu bekommen.

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