Bewegung ist Trumpf

Bewegung ist Trumpf – Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ kommt!

Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit gehören zu den Hauptrisiken bei Pflegebedürftigkeit. Aus Bewegungseinschränkungen können eine Reihe von Folgeschädigungen resultieren, insbesondere das Dekubitusrisiko, die Kontrakturen- und Sturzgefährdung aber auch ungewollter Harnverlust und Appetitlosigkeit hängen eng mit der Immobilität zusammen. Mobil zu sein, trägt deshalb für Pflegebedürftige entscheidend zur Gesundheit und Lebensqualität bei. Mobilität sorgt zum Beispiel für Ressourcen bei der Körperpflege, Ausscheidung, Ernährung – und der sozialen Betreuung.

Expertenstandard Mobilitätsförderung

Spätestens im Laufe des Jahres 2015 ist es soweit – es kommt ein neuer nationaler Expertenstandard der sich inhaltlich mit der Mobilitätsförderung befasst. Ziel ist, dass jeder pflegebedürftige Mensch pflegerische Unterstützung erhält, die zur Erhaltung und/oder zur Förderung der Mobilität beiträgt.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Zahlen, die Dr. Klaus Wingenfeld während der Fachkonferenz im Frühjahr 2014 zur Entwicklung des Expertenstandards zur „Erhaltung und Förderung der Mobilität“ vorlegte. „75 Prozent der Heimbewohner leiden unter Mobilitätseinbußen. Bei 60 Prozent der kognitiv beeinträchtigten Heimbewohner habe sich die Mobilität innerhalb eines halben Jahres deutlich verschlechtert. Bei mehr als 40 Prozent der unbeeinträchtigten Heimbewohner könne es innerhalb von 18 Monaten zu Mobilitätseinbußen kommen. Diese Zahlen machten deutlich, wie hoch der präventive Charakter dieses Expertenstandards sei.“

Der Expertenstandard orientiert sich ausschließlich an der Frage, wie Mobilität erhalten oder verbessert werden kann. Neben der individuellen Beratung, der Gestaltung der räumlichen Umgebung, der Nutzung von Hilfsmitteln und der Integration der Mobilitätsförderung in Alltagsbedingungen sind körperliche Aktivität und Bewegungsübungen zentrale Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels.

Fünfstufiger Pflegeprozess zur Erhaltung und Förderung der Mobilität

Mit dem fünfstufigen Pflegeprozess zur Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege werden an die Pflegefachkräfte besondere Anforderungen an die pflegerische Beratung und Anleitung im häuslichen Umfeld gestellt. Insgesamt bleibt festzustellen, dass Informationen, Beratung und Schulung in der ambulanten Pflege eine intensive Auseinandersetzung mit dem Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen voraussetzt.

Für den kontinuierlichen Beratungsaufwand und für die Kooperationen mit anderen Berufsgruppen gibt des derzeit keine leistungsrechtlichen Entsprechungen in den Vergütungsvereinbarungen gemäß § 89 SGB XI, noch im Rahmen der Beratungsbesuche gemäß § 37 Abs. 3 SGB XI. Fachlich qualifizierte Beratung bedarf eines nicht unerheblichen Zeitaufwandes und dieser kann bisher nicht vergütet werden.

Derzeit ist es so, dass in den für die Vergütung ambulanter Pflegeleistungen vorgesehenen Leistungskomplexen nur indirekt Maßnahmen zur Mobilitätsförderung vorgesehen sind. In der ambulanten Pflege lassen sich daher vor allem bewegungsfördernde und –erhaltende Maßnahmen durchführen, die in das Alltagshandeln integriert werden können. Pflegefachkräfte können in der häuslichen Versorgung zudem informierend tätig werden. Sie können auf bewegungsfördernde Maßnahmen (Sportverein, Rehasport, Seniorentreff etc.) in der häuslichen Umgebung hinweisen und eine Teilnahme ggf. koordinieren.

Einige Prozesskriterien sind wegen fehlenden leistungsrechtlichen Rahmenbedingungen nur eingeschränkt möglich.

Die Expertengruppe „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ rät aufgrund der hohen Bedeutung, die der Erhaltung und Förderung der Mobilität zukommen, eine Erweiterung des Leistungsspektrums (z. B. in Form weiterer Leistungskomplexe oder durch die Einführung flexiblerer Leistungsformen) einzuführen, da andernfalls die Möglichkeiten ambulanter Pflegedienste zur Förderung der Mobilität pflegebedürftiger Menschen in ihrem häuslichen Umfeld strukturell erheblich erschwert werden.

Die spannende Frage ist also, wer Beratungsaufwand, Dokumentation der Beratung, Anleitungen, Verantwortung für Planung und Koordination in der ambulanten Pflege refinanziert?

Außerdem verlangt der Expertenstandard, dass vom pflegebedürftigen Menschen verwendete Hilfsmittel berücksichtigt und deren korrekter Einsatz geprüft und gegebenenfalls im Vorfeld eine Anpassung der Hilfsmittel erfolgen soll. Regelmäßig soll eine Überprüfung stattfinden, ob der Pflegebedürftige die Hilfsmittel tatsächlich benötigt und sie angemessen nutzt. Es werden also auch eindeutig Leistungen aus dem SGB V tangiert.

Was die leistungsrechtlichen Fragen angeht gilt also auch hier: „Bewegung ist Trumpf“!

Quelle: Hochschule Osnabrück – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Arbeitsunterlagen zur Fachkonferenz zum Expertenstandards nach § 113a SGB XI; Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege, Osnabrück: 28. März 2014.

Kategorie:  Aktuelles , Pflegeblog
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