1. Pflegestärkungsgesetz: das ändert sich ab 2015

Seit dem 01.01.2015 ist das 1. Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten. Ziel der Gesetzesänderung ist es, das häusliche Umfeld von Pflegebedürftigen zu stärken, indem pflegenden Angehörigen mehr Hilfsangebote als bisher angeboten werden. Über die wichtigsten Neuerungen möchten wir Sie gerne kurz informieren.

Mehr Geld für Ihre Pflege

Die Beträge für Pflegegeld und Pflegesachleistungen steigen um 4%. Damit stehen Ihnen zukünftig folgende Beträge zur Verfügung:

Pflegesachleistung (Pflege durch professionelle Pflegekräfte)

PflegestufeOhne eingeschr. AlltagskompetenzMit eingeschr. Alltagskompetenz*
0   231,00 €
1   468,00 €   689,00 €
21.144,00 €1.298,00 €
31.612,00 €1.612,00 €
3 (Härtefall)1.995,00 €1.995,00 €

 

Pflegegeld (Pflege wird selbst organisiert, z.B. durch Angehörige)

PflegestufeOhne eingeschr. AlltagskompetenzMit eingeschr. Alltagskompetenz*
0   123,00 €
1   244,00 €   316,00 €
2   458,00 €   545,00 €
3   728,00 €   728,00 €
3 (Härtefall)   728,00 €   728,00 €

* Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz nach § 45a SGB XI – dazu zählen vor allem an Demenz erkrankte Personen.

Haben Sie sich für eine Kombination aus Geld- und Sachleistungen entschieden, so werden die Beträge ebenfalls anteilig angehoben.

 

Betreuungsleistungen für alle Pflegebedürftigen mit Pflegestufe

Zukünftig wird jeder, der eine Pflegestufe hat, Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen haben. Das bedeutet, dass ein Betrag von bis zu 104 € pro Monat für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, wie z.B. Beaufsichtigung, Begleitung außerhalb des Hauses, Hilfe bei Antragstellungen, Hilfsmittelbesorgung, Hilfe im Haushalt, etc. zur Verfügung steht.

Für Demenzkranke mit einer erheblichen Einschränkung in der Alltagskompetenz steigt der Betrag von 200 € auf 208 €. Wenn Sie die Leistungen nicht in Anspruch nehmen, verfällt der Betrag, denn eine Auszahlung wie beim Pflegegeld ist nicht möglich.

Sollte Sie darüber hinaus weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen wünschen, können ab 2015 bis zu 40% des Pflegesachleistungsbetrags für diese Leistungen verwendet werden, sofern die Grundpflege sichergestellt ist.

 

Mehr Geld für die Tagespflege

Wenn Sie die Angebote einer Tagespflegeeinrichtung in Anspruch nehmen möchten, so steht Ihnen zukünftig dafür ein eigener Betrag aus der Pflegeversicherung zur Verfügung. Dieser ist genauso hoch wie die Pflegesachleistungsbeträge je Pflegestufe (siehe oben). Ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe II ohne eingeschränkte Alltagskompetenz könnte somit beispielsweise Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes im Wert von 1.144 € pro Monat in Anspruch nehmen und zusätzlich würden ihm noch mal 1.144 € pro Monat für den Besuch einer Tagespflegeeinrichtung zur Verfügung stehen. Wie bei den Betreuungsleistungen gilt auch hier: Nutzen Sie dieses Angebot nicht, so verfällt der Betrag.

Bessere Kombinationsmöglichkeiten von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Die Leistungen der Verhinderungspflege werden ausgeweitet und können zukünftig besser miteinander kombiniert werden. So können Sie beispielsweise zugunsten der Verhinderungspflege bis zu 50% des Jahresbetrags der Kurzzeitpflege über eine Dauer von bis zu 6 Wochen verwenden. Für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege stehen ab 2015 jeweils 1.612 € zur Verfügung.

 

Mehr Geld für Umbaumaßnahmen

Planen Sie Umbaumaßnahmen in der Wohnung, um die Pflege zu Hause zu erleichtern (z.B. durch eine ebenerdige Dusche oder breiteren Türen), können Sie dafür statt bisher 2.557€ nun bis zu 4.000 € Zuschuss pro Maßnahme von der Pflegekasse erhalten. Für Pflegehilfsmittel zahlt die Pflegekasse künftig 40 € statt bisher 31 €.

 

Mehr Leistungen für berufstätige Angehörige

Angehörige stehen oft vor dem Problem, dass sie aufgrund von Berufstätigkeit bei einem plötzlich auftretenden Pflegefall nicht zur Stelle sein können. Hierfür hat der Gesetzgeber beschlossen, dass die Pflegeversicherung ab 2015 ein Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung für eine 10-tägige bezahlte Freistellung vom Beruf für die Pflege eines Angehörigen zahlt.

Kategorie:  Aktuelles , Pflegeblog
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